In diesem Bereich brauchen wir einen Paradigmenwechsel hin zu nachhaltigen Lösungen. In Zukunft müssen Fußgänger, Radfahrer und vor allen Dingen der ÖPNV deutlich stärker im Mittelpunkt stehen als bisher.
Insbesondere für Kinder muss die Verkehrssicherheit erhöht werden. Deshalb darf vor Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen dem motorisierten Individualverkehr nicht mehr der Vorrang gegeben werden. An Schulwegen und Fußgängerüberwegen muss Tempo 30 zum Standard werden. Durch die geänderte Straßenverkehrsordnung ist das jetzt auch an übergeordneten Durchfahrtsstraßen möglich. Für den Bereich des Dorfplatzes in Parsdorf haben wir dazu einen Antrag bei der zuständigen Verkehrsbehörde (Landratsamt Ebersberg) auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h gestellt.
Fuß- und Radwege ausbauen
Viele kurze (Alltags-)Wege können zu Fuß, oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Um dies zu fördern, ist es notwendig, dass Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt am Verkehr teilnehmen können. Sichere und attraktive Fuß- und Radwege sind dazu notwendig. Aber auch neuartige, innovative Verkehrskonzepte wie beispielsweise gemeinsam genutzte Verkehrsbereiche können dafür gute Ansätze liefern.
Fußwege müssen so gestaltet werden, dass sie von Menschen aller Altersgruppen mit und ohne Behinderung gut und sicher begehbar sind, also auch mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen.
Die Gemeinde Vaterstetten ist inzwischen Mitglied auf Probe in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen (AGFK). Um Vollmitglied zu werden, musste ein flächendeckendes Radverkehrskonzept entwickelt werden. Dieses sollte zumindest in Teilen bis zur Endbereisung umgesetzt werden. Wir werden weiterhin auf eine konsequente Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen drängen.
ÖPNV stärken
In den letzten Jahren ist es gelungen ein attraktives Bussystem zu entwickeln. Durch eine höhere Taktung und zusätzliche Fahrten in den Morgen- und Abendstunden, sowie am Wochenende könnte das Angebot weiter verbessert werden. Als sinnvolle Ergänzungen sind der bereits vorhandene Seniorenfahrdienst, sowie ein möglicher Einsatz von Sammeltaxis zu sehen.
Bei der (Weiter-)Entwicklung eines Bussystems muss man über die Gemeindegrenzen hinausdenken. Eine kooperative Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen, dem Landkreis und dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) ist unerlässlich und führt zu besseren Ergebnissen.
Der vom Bürgermeister und der Verwaltung angestrebten Übertragung der Aufgabenträgerschaft für die innergemeindlichen Buslinien an den Landkreis stehen wir sehr skeptisch gegenüber. Es macht keinen Sinn, dass die Gemeinde die Kosten weiterhin trägt, die Gestaltungshoheit aber an den Landkreis abgibt.
Unzulänglichkeiten bei S-Bahn / Bahn reduzieren
Die Unzuverlässigkeit der S-Bahn ist leider zu einem Dauerproblem geworden und hat sich die letzten Jahre noch deutlich verschärft. Hier muss sich die Gemeinde Vaterstetten im Schulterschluss mit den anderen Gemeinden an der S-Bahnlinie 4/6 bei der Bahn und der Landesregierung dafür einsetzen, dass die Mängel endlich abgestellt werden.
Auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung bezüglich der Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel müssen sich die Bahnanliegergemeinden solidarisieren. Es muss immer wieder klar und unmissverständlich gefordert werden, dass bei einer Erhöhung der (Güter-)Zugfrequenz die Bahnlinie als Neubaustrecke gewertet werden muss und damit ein vernünftiger Lärm- und Vibrationsschutz realisiert werden muss. Eine Nutzung der S-Bahngleise durch den (Güter-)Fernverkehr muss ausgeschlossen werden. In die weiteren Planungen müssen die Gemeinden intensiv einbezogen werden.
Verträglicher Straßenverkehr
Der motorisierte Individualverkehr wird nach wie vor eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Auf den regionalen und überregionalen Durchgangsverkehr haben wir dabei leider wenig Einfluss. Es geht zum einen darum diesen langsamer zu machen, um damit Lärm- und Abgasbelastungen, sowie das Gefährdungspotenzial zu minimieren. Dazu sollte auch auf den Durchfahrtstraßen in den einzelnen Ortsteilen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer eingeführt werden. Die novellierte Straßenverkehrsordnung gibt uns diesbezüglich bessere Möglichkeiten.
Als Ultima Ratio sehen wir den Bau von Umgehungsstraßen, wenn dadurch sehr hohe Verkehrsbelastungen deutlich reduziert werden können. Die von der Autobahn GmbH angestrebten Verlegung der EBE 4 befürworten wir, weil sie für Weißenfeld eine spürbare Entlastung bringt. Durch die zusätzliche Realisierung der Teilabschnitte 1 und 2 der planfestgestellten Umfahrungsvariante ergäbe sich eine optimale Verkehrsentlastung für Parsdorf, Hergolding und Weißenfeld. Leider hat sich der Gemeinderat mehrheitlich, gegen unsere Stimmen, dazu entschieden diese Planungen nicht mehr weiter zu verfolgen.
Die SPD Vaterstetten wird weiter darauf drängen, dass an den Autobahnen A94 und A99, sowie an der Bundestraße B304 wirkungsvolle Schallschutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Mit Parkraummanagement und -bewirtschaftung in zentralen Lagen sollen zum einen Parkplätze gezielt für diejenigen zur Verfügung gestellt werden, die dort etwas zu erledigen haben (Einkäufe, Arztbesuche, Lieferanten, Handwerker, etc.). Andererseits soll durch ein begrenztes Angebot an Parkplätzen die Durchgängigkeit der Straßen verbessert werden.
Beim Wohnungsbau in S-Bahn-Nähe sollte der Stellplatzschlüssel reduziert werden. Es gibt Wohnungssuchende die bei einem guten ÖPNV- und Carsharing-Angebot gerne auf ein eigenes Auto verzichten.